Ich gebe es ja zu, auch ich wollte so schnell wie möglich den neuen Harry Potter sehen. Also gingen wir an einem verregneten Nachmittag – und prompt, nach 40 Minuten Werbung und Vorschauen, fing der Film auch schon an. Ziemlich gut, übrigens, tolle Aufnahmen, Effekte, super Schnitt. Die Vorschau von “Wo die wilden Kerle wohnen” machte da keine Ausnahme. Nur: Können sie denn keine meiner Kinderheitserinnerungen in Ruhe lassen?! Ich verstehe die Verfilmung von Klassikern wie Robin Hood und den drei Musketieren, von Effie Briest und Moby Dick, welche mich selbst in meiner Kindheit gefesselt haben. Auch gegen Zeichentrick-Serien wie Heidi und Pinocchio habe ich nichts einzuwenden, auch nichts gegen die Disney-Version klassischer Märchen wie Schneewittchen oder die Schöne und das Biest.
Was mich stört, ist dass die Märchengestalten und ihre Geschichten in immer neuen lächerlichen Filmchen vollkommen zerstückelt werden. Welchen Teil ihrer Mär darf man sich eigentlich noch selbst ausmalen? Vielleicht wie man im Cinderella-Prinzessinnenkleid von Schneewittchen bedruckten Tellern isst und dabei aus einem Glas trinkt auf dem Arielle ihren Prinzen küsst? Was für eine märchenhafte Vorstellung.
Und dann kam “Cat in the Hat”, ein amerikanischer Kinderbuchklassiker von Dr. Seuss. Ein dämlicher Klamauk, dem jede Menge Merchandise folgte, wohl um die Verluste aufzufangen. Allerdings untersagte die Witwe des verstorbenen Autors Theodor Geisel, jegliche weitere live-action Verfilmung seiner Bücher.
Bilderbücher haben doch schon Bilder. Die der wilden Kerle leben in meinem Kopf seit ich fünf Jahre alt bin. Ich will nicht, dass irgendwelche Schauspieler in diese Rolle schlüpfen. Warum hat Maurice Sendak dem nicht Einhalt geboten, muss der 81-jährige seine Tantiemen aufstocken?
Ab dem 3. Dezember, dem deutschen Filmstart von “Wo die wilden Kerle wohnen”, werden alle Kinder die Gesichter der Schauspieler im Kopf haben, das Buch wird seinen Zauber verlieren. Einen Zauber, der darin bestand, dass es Raum gab, für die eigene Phantasie und Vorstellung. Jetzt müssen alle Kinder die Version von….. Regisseur mitverfolgen.
Selbst wenn der Film gut ist, ist es ein trauriger Erfolg. Es gibt Geschichten, die sind fürs Kino geschaffen, Frühstück bei Tiffanys, und es gibt Geschichten, die man aus Respekt einfach Geschichten bleiben lassen sollte. Wenn jetzt schon Bilderbücher mit einem Millionenetat zu abendfüllenden Kinospektakeln produziert werden, was soll dann als nächstes kommen? Die 3-D Version von “Pat the bunny”, dem amerikanischen Kinderbuchklassiker von 1940, bei dem die Kleinsten Daddy’s kratzigen Bart fühlen und ihren Finger durch Mama’s Ring stecken dürfen? Mit insgesamt acht Aktivitäten können schon Kleinste “Paul and Judy”, die Helden dieses Büchleins imitieren. Wenn das nicht abendfüllend ist, dann Gute Nacht!
Schoener Artikel. Werde deinen Blog mit Spannung weiterverfolgen.
Dankeschön
))))